Vorwort Bundespräsident Steinmeier Chorzeit Januar 2021

Das nachfolgende Vorwort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben wir dem Vokalmagazin „Chorzeit“, Ausgabe Januar 2021 entnommen. Bundespräsident Steinmeier spricht damit den Chorsängerinnen und -sängern eine sehr hohe Wertschätzung aus.

Viel Kraft!

Singen ist das pure Glück. Wenig in unserem Leben ist so uneingeschränkt schön und bereichernd wie das Singen. Wir alle können es, von Kindesbeinen an, ganz egal, ob wir mit oder ohne Klavier im Haus, mit oder ohne Musikunterricht groß werden. Gut, manche von uns können es etwas besser. Andere verlernen es leider irgendwann zwischen Pubertät und Rente wieder. Aber fest steht: Das Singen liegt allen Menschen im Blut. Von der Kirchengemeinde bis zur Oper, von der Pfadfindergruppe bis ins Fußballstadion, allein unter der Dusche oder mit vielen anderen im Karneval – ganz oft im Leben erschafft erst der Gesang unsere besonderen Momente.

Kaum jemand weiß das besser als alle diejenigen, die in den Chören unseres Landes mitsingen, sich engagieren, ihre Freizeit einsetzen. Mit anderem im Chor zu singen, ist ein besonderes Gefühl: Man hört sich selbst, erkennt den eigenen Beitrag – und zugleich gehen alle gemeinsam in etwas Größerem auf. Ob im Kinderchor oder im Seniorengesangverein, alle Chorsängerinnen und Chorsänger kennen dieses besondere Gefühl von Zusammenhalt und Zusammentun.

Umso härter hat das Corona-Jahr 2020 die Chöre in unserem Land getroffen. Wer heute dafür Sorge trägt, dass möglichst alle gesund bleiben, der kann sich nur schwer zum gemeinsamen Singen treffen. Kleinere Gruppen, größere Räume, Spendenaufrufe, innovative Nachwuchswerbung, häufiges Lüften und noch häufigere Videokonferenzen – überall war viel Kreativität gefordert. Ein echter Ersatz, so sagen viele, konnte all das aber nicht sein – für viele Vereine gerade auch finanziell nicht.

Umso mehr wünsche ich dem Chorverband – und der Gesangskultur in unserem Land – dass der große Schatz von Zusammenhalt und Zusammentun unseren Chorsängerinnen und -sängern auch weiterhin die nötige Kraft gibt, diese schwierige Zeit gemeinsam zu überstehen. Denn eins weiß ich sicher: Die Pandemie wird uns die Zukunft nicht nehmen. Um an ihrem Ende unsere Erleichterung in die Welt zu singen, werden wir sie alle brauchen: die Chöre in unserem Land mit ihren tausenden Sängerinnen und Sängern!

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